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Ein Alpaka liegt im Vordergrund auf einer Wiese. Im Hintergrund stehen fünf weitere Alpakas auf einem kleinen Hügel.
Zurück zu Zuhause

Energie auf vier Beinen: Traumleben im Grünen und was Viktoria Gatzweiler täglich antreibt

Eine zufällige tierische Begegnung war der Anfang. Was als scherzhafte Idee begann, wurde schnell ernst: Mit den ersten drei Alpakas startete ein Weg, der zum eigenen Hof führte. Viktoria Gatzweiler erzählt, wie Gut Gatzweiler in Essen-Haarzopf entstand, warum es für sie keinen schöneren Ort zum Leben gibt und welche stillen Momente mit den Tieren ihr im Trubel die meiste Energie geben.

Frau Gatzweiler, auf Ihrem Instagram-Profil steht als eine Art Lebensmotto „Sei einfach du selbst". Wie haben Sie Ihren eigenen Weg gefunden? 

Sei einfach du selbst – das klingt oft leichter als es ist. Aber ich glaube, dass man die größten Chancen auf ein erfülltes Leben hat, wenn man das tut, was man wirklich liebt. Als ich 2015 meinen Mann Julian kennengelernt habe, zogen wir auf seinen elterlichen Hof, ohne zu ahnen, wie sehr diese Entscheidung unsere Zukunft prägen würde. Alles begann vor vielen Jahren eher zufällig: Wir besuchten aus Spaß einen Tiermarkt, auf dem es auch Alpakas gab. Wir scherzten darüber, wie verrückt es wäre, selbst Alpakas zu besitzen. Mich hat das Thema nicht mehr losgelassen. So begann ich, mich intensiver mit der Haltung dieser besonderen Tiere zu beschäftigen. Eines Tages fuhren wir los, um uns unverbindlich mit einigen Züchtern zu unterhalten. Noch am selben Tag kauften wir unsere ersten drei Alpakas: Alfi, Willi und Fritz. 

Drei Alpakas auf einem Feld, die in die Kamera schauen.

Die drei Tiere haben Ihr Leben vermutlich ziemlich auf den Kopf gestellt?

Von nun an drehte sich alles in unserem Leben um diese wundervollen Tiere, die auch auf unserem Instagram-Account @alpakamomente immer beliebter wurden. Spätestens da war klar, dass wir wahrscheinlich nie ein „ganz normales" Leben führen würden. 

Als sich 2020 die Möglich­keit bot, einen eigenen Hof zu kaufen, zögerten wir nicht lange. Nach zwei Jahren harter Arbeit bezogen wir Ende 2021 zusammen mit den Alpakas, unserem Hofhund Abby und unserer Tochter Henrietta unser Eigenheim und gründeten das Gut Gatzweiler. Seitdem hat sich unsere tierische Familie stetig vergrößert und wir arbeiten ununterbrochen daran, unser kleines Paradies noch schöner zu machen. Aus dem Traum vom Landleben wurde nach und nach ein Herzensprojekt, das heute unser gesamtes Leben bestimmt. 

Was würden Sie jemandem raten, der ebenfalls einen großen Traum hat, jedoch den ersten Schritt scheut?

Früher sind mein Mann und ich vieles ganz unbefangen angegangen – nach dem Motto: „Einfach mal machen." Mit der Zeit hat uns die Realität natürlich auch gezeigt, dass nicht immer alles leicht ist und manche Entscheidungen viel Verantwortung mit sich bringen. Trotzdem bin ich überzeugt: Man sollte seine Träume verfolgen. Wichtig ist nur, dabei nicht blauäugig zu sein, sondern mit Geduld, Durchhaltevermögen und einem realistischen Blick an die Sache heranzugehen. Große Träume brauchen oft Zeit, Mut und viele kleine Schritte, aber es lohnt sich, dafür loszugehen. Träumen ist einfacher als Machen. Aber Machen ist schöner als Träumen.

Ihr Gut liegt in Essen-Haarzopf mitten in der Großstadt und gleichzeitig weit weg vom Trubel. Was bedeutet Ihnen Essen als Heimat?

Ich bin gebürtige Essenerin – eigentlich sogar Kettwigerin – und deshalb bedeutet mir Essen unglaublich viel. Nach dem Studium wollten viele unbedingt in andere, vermeintlich “coolere” Städte ziehen, doch für mich war klar: Zuhause ist es doch am schönsten. Deshalb bin ich direkt wieder zurückgekommen. Mittlerweile haben das auch viele meiner Freunde erkannt, sodass ich mich heute glücklich schätzen kann, langjährige Freundschaften und einen großen Teil meiner Familie ganz in der Nähe zu haben. Unser Hof ist dabei perfekt gelegen: mitten im Grünen und trotzdem in der Stadt. Für mich ist das wirklich das Beste aus zwei Welten – kombiniert mit wunderbaren Menschen in unmittelbarer Umgebung gibt es keinen schöneren Ort zum Leben.

Ein eigener Hof, eine wachsende Social-Media-Community, eine kleine Tochter – wie schaffen Sie es, all das unter einen Hut zu bringen?

Kennen Sie dieses Reel, in dem ein Mann in einem Schlauchboot durch einen Wasserfall fährt und versucht, nicht umzukippen? Genau so fühle ich mich manchmal. Spaß beiseite: Natürlich ist das alles sehr, sehr viel. Aber ich bekomme unglaublich viel Unterstützung, vor allem von meinem Mann, meiner Familie und meinen Freunden. Ohne dieses Umfeld wäre vieles gar nicht möglich. Außerdem bin ich ein echter Organisationsmensch und liebe das, was ich tue. Deshalb möchte ich mich eigentlich gar nicht beschwe­ren. Trotzdem versuche ich inzwischen immer bewusster, unsere Angebote so zu gestalten, dass mir auch genügend Zeit für meine Familie, Freunde und natürlich unsere Tiere bleibt. Denn genau diese Balance ist mir besonders wichtig.

Wo tanken Sie Kraft? Gibt es einen Ort oder einen Moment auf dem Hof, der Ihnen ganz besonders viel Energie gibt?

Am meisten Kraft tanke ich tatsächlich in den Momenten, in denen ich ganz alleine Zeit mit unseren Tieren verbringen kann: ohne Besucher, ohne Trubel, einfach nur in Ruhe. Leider kommt das im Alltag oft zu kurz, aber ich arbeite daran. Mein absoluter Lieblingsort auf dem Hof ist unsere Terrasse mit Blick auf die Alpakawiese. Besonders an warmen Sommer­abenden ist es dort einfach paradiesisch: ruhig, entschleunigt und irgendwie wie eine kleine Auszeit vom Alltag.

Was treibt Sie an, wenn es mal schwierig wird – wenn der Hof Arbeit macht, die Tiere fordern und die To-do-Liste nicht kürzer wird?

Wenn es stressig wird, helfen mir tatsächlich noch mehr To-do-Listen – allerdings gut strukturiert. Mein persönlicher Geheimtipp ist, mir alle Aufgaben des Tages ganz genau aufzuschreiben und daraus eine Art Zeitplan zu machen. Zum Beispiel: 9 Uhr E-Mails, 9:30 Uhr aufräumen, 10 Uhr Tiere versorgen, 11 Uhr Eier holen. Diese Struktur hilft mir enorm dabei, den Überblick zu behalten und motiviert mich gleichzeitig. Und trotzdem schaffe ich eigentlich nie alles, was ich mir vorgenommen habe, aber das habe ich mittlerweile akzeptiert. Was heute nicht klappt, kommt einfach morgen wieder auf die Liste.

Viktoria Gatzweiler macht ein Selfie zusammen mit zwei ihrer Alpakas.

Ihre drei Alpakas waren der Anfang von allem. Was haben diese Tiere Ihrem Leben gegeben, das Sie vorher nicht hatten?

Unheimlich viel! Ohne Alfi, Willi und Fritz würde ich heute definitiv nicht das Leben führen, das ich jetzt habe. Wahrscheinlich hätten wir ohne die drei niemals den Schritt gewagt, einen eigenen Hof zu kaufen. Ich habe über zehn Jahre in einem ganz normalen Bürojob gearbeitet. Ich war dort nicht komplett unglücklich, aber trotzdem hatte ich oft das Gefühl, den Großteil meines Tages im Büro oder im Auto zu verbringen und eigentlich nur auf das Wochenende hinzuleben. Dann kam die Corona-Pandemie und plötzlich hatte ich die Möglichkeit, auch tagsüber mehr Zeit mit unseren Tieren zu verbringen. Dieses Gefühl hat etwas in mir verändert. Ich habe mich frei, selbstbestimmt und lebendig gefühlt und wollte mehr davon. Alfi, Willi und Fritz haben mich letztendlich auf einen Weg geführt, für den ich unendlich dankbar bin. Natürlich wäre das alles ohne meinen Mann und die vielen wundervollen Menschen, die uns bis heute unterstützen, niemals möglich gewesen.

Auf Gut Gatzweiler empfangen Sie Besucher – bei Wanderungen, Kindergeburtstagen, Yoga, gemütlichem Kaffeeklatsch. Was möchten Sie Ihren Gästen mitgeben, wenn sie den Hof wieder verlassen?

Unser Hof soll Menschen die Möglichkeit bieten, dem Alltag für einen Moment zu entfliehen und besondere Begegnungen mit unseren Alpakas und anderen Hoftieren zu erleben. Mir ist es wichtig, dass unsere Gäste mit einem strahlenden Lächeln und unvergesslichen Erinnerungen nach Hause gehen. Gleichzeitig möchten wir Erwachsenen wie Kindern Wissen über unsere Tiere vermitteln, Verständnis schaffen und einen bewussten, respektvollen Umgang mit Tieren näherbringen.

Artgerechte Tierhaltung und ein respektvoller Umgang mit der Natur liegen Ihnen sehr am Herzen. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Alltag, und was kann jeder von uns davon lernen?

Nachhaltigkeit beginnt für mich im Alltag mit vielen kleinen Dingen, die jeder von uns umsetzen kann. Ich sammle zum Beispiel regelmäßig gemeinsam mit meiner Tochter den Müll auf dem Weg zum Kindergarten auf. Das kann ich Familien mit Kindern nur empfehlen: Für die Kleinen fühlt es sich oft an wie eine Schatzsuche, und manchmal findet man tatsächlich Überraschungen. Wir haben letztens sogar eine Rutsche im Gebüsch entdeckt. Auch Lebensmittelverschwendung versuchen wir so gut wie möglich zu vermeiden – dank unserer Schweine bleibt bei uns kaum etwas übrig. Und jedem mit kleinem oder großem Garten kann ich nur empfehlen, selbst Gemüse anzubauen. Die eigenen Lebensmittel zu ernten, ist einfach ein ganz besonderes Gefühl und schafft wieder mehr Wertschätzung für die Natur und unsere Nahrung.

Kundenkarte der Stadtwerke Essen: Kleines Stück Hofgefühl für Inhaber der Schatzkarte

Inhaber der Schatzkarte (kostenlose Kundenkarte der Stadtwerke Essen) erhalten bei der Buchung eines Events auf dem Hof Gut Gatzweiler gratis eine Alpakaseife – hergestellt aus der Wolle der Alpakas vom Hof. Auf diese Weise können sie ein kleines Stück Hofgefühl mit nach Hause nehmen. Hier geht es direkt zum Schatzkarten-Angebot

10 Alpakas stehen in einer Reihe auf einem Feld.

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