Das unterschätzte Blatt: Alles, was Sie über Toilettenpapier wissen müssen
Heute ist Tag des Toilettenpapiers. Wir kennen den Weg nach dem Gebrauch und nutzen den Anlass für überraschende Fakten, etwas Geschichte und einen dringenden Hinweis fürs Abwassernetz.
Heute fallen wir buchstäblich aus der Rolle: Es ist der Tag des Toilettenpapiers. Die Nutzung dieses Hygieneartikels ist bekanntlich eine sehr diskrete Angelegenheit. Wir von den Stadtwerken Essen wissen jedoch, wohin die Reise nach Gebrauch führt. Wir nutzen daher den Anlass, um ein paar überraschende Fakten über das wohl bekannteste Produkt aus Zellstoffgewebe zusammenzutragen. Mit einem Augenzwinkern – aber auch mit einem ernsten Anliegen.
Kleine Rolle, große Geschichte
Gehen wir zurück ins Jahr 1857. Kettwig wurde in diesem Jahr eine eigenständige Stadt, die Bürgermeisterei Werden neu geordnet, und die Zeche Friedrich Wilhelm in Essen-Heisingen nahm ihren Betrieb auf. Während die kommunale Neuordnung und die Industrialisierung Fahrt aufnahmen, hatte 6000 Kilometer entfernt in New York ein gewisser Joseph Gayetty eine Idee, die die Menschheit mindestens genauso nachhaltig prägen sollte – wenn auch deutlich stiller. Er brachte das erste kommerzielle „Medicated Paper" auf den Markt. Einzelblätter, angeblich mit Aloe vera oder Mineralwasser getränkt – die historischen Quellen sind sich da nicht ganz einig. Einig sind sie sich auch nicht darüber, wann die Papprolle, wie wir sie heute kennen, den endgültigen Siegeszug antrat.
Fest steht: Spätestens im 20. Jahrhundert war die Rolle nicht mehr wegzudenken. Seitdem beschäftigt die Menschheit vor allem eine Frage: Hängt das Papier von vorne über die Rolle oder von hinten zur Wand? Beides hat Vor- und Nachteile. Hängt das Papier vorne, erscheint die Nutzung hygienischer. Allerdings kann dies auch zu einem unkontrollierten Abrollen durch Kinder oder Haustiere führen. Die Wand-Variante schützt zwar vor Bandsalat, hat jedoch den Nachteil, dass durch das Berühren der Wand zusätzliche Keime aufs Toilettenpapier gelangen können. 1891 – in Essen war gerade der Bau des Stadttheaters im Gange – meldete der Geschäftsmann und Erfinder Seth Wheeler in New York ein Patent für perforiertes Toilettenpapier auf der Rolle an. Laut seiner Patentzeichnung spielte er dabei eindeutig im Team „Vorne“.
Toilettenpapier gehört in die Toilette – Taschentücher und Co. nicht
In einer Sache gibt es jedoch keine zwei Meinungen: Das Toilettenpapier gehört in Deutschland in die Toilette. Es ist so entwickelt, dass es sich im Wasser sehr schnell auflöst – innerhalb weniger Minuten zerfällt es in feinste Fasern. Das macht es zu einem echten Teamplayer im Abwassersystem. Es flutscht problemlos durch die Rohre, belastet die Kläranlage kaum und wird dort ganz natürlich abgebaut.
Das gilt nicht für weitere Produkte aus Zellstoffgewebe wie Taschentücher, Küchenrolle, Kosmetiktücher oder Einmal-Waschlappen. Sie alle sind weitaus stabiler als Toilettenpapier. Ein Taschentuch zum Beispiel muss „Niesgeschwindigkeiten“ in Orkanstärke von bis zu 180 km/h standhalten. Ein Küchentuch muss große Mengen an Feuchtigkeit aufsaugen, ohne zu zerreißen. Ganz schlimm steht es um Feuchttücher: Ganz gleich, wie sanft sie zum Po sein sollen oder ob sie nach Aloe vera oder Sommerregen duften – für die Kanalisation sind und bleiben sie ein echter Albtraum.
Diese Materialien verklumpen in den Rohren und bilden dort sogenannte „Fettberge“ – riesige Verstopfungsklumpen aus Fett und Fremdstoffen. Die Verklumpungen können Hausleitungen verstopfen. Die Folge: Teure Notfalleinsätze und aufwendige Reinigungen im Kanalnetz der Stadtwerke.
Hygieneartikel, die es dennoch bis in die Kläranlage schaffen, müssen dort aufwendig und kostenintensiv herausgefiltert werden.
Die Faustregel ist simpel: In die Toilette kommt nur das, was der menschliche Körper ebendort produziert – und Toilettenpapier. Alles andere gehört in den Mülleimer. Dazu zählen im übrigen auch Wattepads, Wattestäbchen, Pflaster, Medikamente, Speisereste und Haare.
Manch einer entsorgt auch Windeln in der Toilette: Bitte tun Sie dies niemals! Auch, wenn eine Windel – funktional betrachtet – wie das Toilettenpapier des Kleinkindes wirkt.
Papier oder Wasserdusche?
Wir Deutschen greifen übrigens beim Toilettenpapier im Vergleich zu anderen Ländern besonders beherzt zu. So verbrauchen unsere europäischen Nachbarn Frankreich und Italien eher weniger, weil bei ihnen ein Bidet längst zum Alltag gehört. Diese Art Wasserdusche für das stille Örtchen spart Toilettenpapier und verbraucht dabei schätzungsweise weniger als ein Liter Wasser pro Nutzung. Zum Vergleich: Für die Produktion einer Rolle Toilettenpapier ist der Wasserverbrauch für die Herstellung des Zellstoffs und in der Papiermaschine deutlich höher.
Im vergangenen Jahr nutzte jede Person in Deutschland statistisch gesehen rund 11,3 Kilogramm Toilettenpapier. Umgerechnet wären das etwa 126 Rollen pro Kopf im Jahr oder 2,4 Rollen pro Woche. Zum Vergleich: In Essen wohnen rund 600.000 Menschen. Hochgerechnet wären das jedes Jahr etwa 80 Millionen Rollen Toilettenpapier. Bei einer Papierlänge pro Rolle im Schnitt von 30 Metern, ergibt das zusammen rund 2,4 Millionen Kilometer Toilettenpapier pro Jahr. Mit einem solchen Vorrat könnte man das Spielfeld des Stadions an der Hafenstraße rund 30.000-mal vollständig mit Toilettenpapier auslegen.
Die Stadtwerke Essen sorgen täglich dafür, dass sauberes Wasser bei Ihnen ankommt und dass das, was im Badezimmer diskret verschwindet, nicht später als Problem im Kanalnetz wieder auftaucht. Erfahren Sie mehr über die Abwasserentsorgung auf unserer Website.
Labortest für zu Hause: Toilettenpapier vs. Feuchttuch
Einfach mal selbst ausprobieren:
Ein Blatt Toilettenpapier und ein Feuchttuch für den Po in je ein Glas Wasser geben und schütteln. Der Unterschied ist verblüffend – und ein super Experiment für den nächsten Regentag.
Auflösung: Das Blatt Toilettenpapier löst sich durch das Schütteln auf. Die Fasern trennen sich und es zerfällt zu einem formlosen Brei. Das Feuchttuch für den Po lässt sich durch das Schütteln hingegen wenig beeindrucken. Es bleibt stabil, behält seine Form, weil die Fasern fest zusammenhalten.