Was hat der Internationale Tag der Flüsse mit Ihrem Wasserhahn zu tun? Eine ganze Menge: Denn das Trinkwasser in Essen beginnt seine Reise in der Ruhr.
Wie aus Flusswasser Trinkwasser wird
Hahn auf, Glas darunter, fertig. Für die Menschen in Essen ist das selbstverständlich. Doch ganz so einfach ist es nicht: Leitungswasser ist das Ergebnis eines langen Weges, der an der Ruhr beginnt. Mit einer Länge von 219 Kilometern – davon knapp 20 Kilometer im Stadtgebiet von Essen – prägt die Ruhr die Stadt und versorgt die Menschen mit dem Kostbarsten, das es auf der Welt gibt: Trinkwasser. 145 Liter nutzt jede Person in Essen täglich im Durchschnitt. An der Staustufe Bochum-Dahlhausen, unweit der Stadtgrenze zu Essen, wird Flusswasser entnommen und im Verbundwasserwerk Essen, in einer der modernsten Aufbereitungsanlagen Europas, zu Trinkwasser aufbereitet. Die Ruhr ist damit mehr als ein vertrautes Stück Landschaft: Sie trägt die Versorgung der Stadt.
Das Rohwasser gelangt nicht ungefiltert in die Leitungen. In Burgaltendorf wird es zunächst von groben Schmutzpartikeln befreit. Dabei setzt sich ein Teil im Sedimentationsbecken ab, während weitere Partikel in ersten Filtern hängen bleiben. Danach übernimmt die Natur einen wichtigen Teil der weiteren Reinigung, indem das Wasser durch die Langsamsandfilter in den Untergrund sickert. Dieses Verfahren nennt man „künstliche Grundwasseranreicherung“. Das Grundwasser wird noch um den natürlichen Anteil, dem sogenannten Uferfiltrat, ergänzt. Boden und Gestein wirken dabei wie eine natürliche Schutzschicht.
Viele Stufen für hohe Qualität
Nun kommt moderne Technik zum Einsatz. Im Verbundwasserwerk reinigen mehrere Verfahren das Wasser weiter. Zunächst setzt das Werk Ozon ein. Dieses reaktionsfreudige Gas hilft dabei, bestimmte unerwünschte Stoffe abzubauen. Bei Bedarf werden kleinere Teilchen durch eine Flockung in größeren Teichen gebunden, damit sich diese leichter herausfiltern lassen.
Danach durchströmt das Wasser weitere Filter: Aktivkohle hält organische Stoffe und winzige Spurenstoffe zurück. Außerdem entfernt die physikalische Entsäuerung überschüssiges Kohlendioxid. Zum Schluss dient UV-Licht noch als abschließende Sicherheitsdesinfektion – ganz ohne zusätzliche Chemikalien. So kommt die Anlage umweltschonend und ohne das chemische Desinfektionsmittel Chlordioxid und Natronlauge aus.
All diese Verfahren bilden zusammen ein Multi-Barrieren-System, bei dem sich mehrere natürliche und technische Schutzstufen ergänzen. Seit 2016 bündelt das Verbundwasserwerk die Aufbereitung in Essen-Überruhr. Betrieben wird es von der Wassergewinnung Essen GmbH, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft der Stadtwerke Essen und der GELSENWASSER AG.
Kontrolle vom Einzugsgebiet bis zum Hahn
Trinkwasserqualität entsteht nicht erst im Wasserwerk. Entscheidend sind das Rohwasser, die Aufbereitung und der Zustand des Versorgungsnetzes. Deshalb erfolgt eine Überwachung der Qualität auf vielen Ebenen. Allein im Verbundwasserwerk kommen rund 18.600 Analysen pro Jahr zusammen. Die Stadtwerke Essen kontrollieren das Wasser außerdem an rund 80 Stellen im Stadtgebiet und in Trinkwasserbehältern.
Auch das Versorgungsnetz gehört zu dieser Verantwortung: Rund 1.850 Kilometer Leitungen transportieren das Trinkwasser bis zu den Hausanschlüssen. So reicht die Bedeutung des Flusses bis in den Alltag – an jeden Wasserhahn in der Küche oder im Badezimmer und an die neun öffentlichen Trinkwasserbrunnen der Stadt. Die Stadtwerke Essen warten und betreiben diese Brunnen.
Gewässerschutz ist Trinkwasserschutz
Alle Stoffe, die in die Ruhr gelangen, finden den Weg bis ins Wasserwerk. Deshalb ist der Schutz des Flusses ein wichtiger Bestandteil der Versorgungssicherheit. Um diese zu gewährleisten, engagieren sich die Stadtwerke Essen gemeinsam mit anderen Wasserwerken in der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR) für den Gewässerschutz.
Rund um die Gewinnungsanlagen kann sich die Natur ungestört entwickeln. Pflanzen und Tiere finden dort Rückzugsorte, und der Boden übernimmt weiterhin seine natürliche Filterfunktion. Der Zugang ist deshalb teilweise eingeschränkt. Wer diese Rückzugsorte respektiert, schützt die Ruhr und leistet zugleich einen Beitrag zur Qualität des Essener Trinkwassers.
Der Internationale Tag der Flüsse im September ist ein guter Anlass für einen Perspektivwechsel: Wer auf die Ruhr schaut, blickt auch auf die Grundlage für ein Lebensmittel, das wir täglich verwenden – unser Trinkwasser.
Wie Sie zum Schutz der Ruhr beitragen können
Jede und jeder kann zum Schutz der Ruhr beitragen. Was beim Spaziergang liegen bleibt oder im Abfluss verschwindet, kann irgendwann in einem Gewässer landen. Mit einfachen Entscheidungen im Alltag können Sie dazu beitragen, dass die Ruhr sauber bleibt:
- Müll beim Spaziergang wieder mitnehmen.
- Medikamente niemals über Toilette oder Ausguss entsorgen.
- Farben, Chemikalien und Reinigungsmittel fachgerecht abgeben.
- Am Ufer Abstand zu Tieren und Pflanzen halten.
- Wasser bewusst nutzen.
- Bei lokalen Aktionen zum Gewässerschutz mitmachen.
Das klingt nach Kleinigkeiten. Für einen Fluss, der Essen mit Trinkwasser versorgt, sind es wichtige Schritte. Denn die Trinkwasserversorgung von morgen beginnt mit einem sauberen Fluss heute.
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