Gregor Langenberg, Werkleiter der WGE Essen GmbH, im Interview
Die Wassergewinnung Essen GmbH, kurz WGE, ist ein Kooperationsunternehmen der Stadtwerke Essen AG und der GELSENWASSER AG. Sie betreibt das Verbundwasserwerk Essen, welches das Ruhrwasser zu Trinkwasser aufbereitet. Werkleiter Gregor Langenberg trägt seit vielen Jahren die Verantwortung für die komplexen Betriebsabläufe.
Die Versorgung mit Trinkwasser ist ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Welche Rolle übernimmt die Wassergewinnung Essen dabei, Herr Langenberg?
Gregor Langenberg: Eine wichtige. Die WGE sorgt dafür, dass frisches Trinkwasser produziert wird und jederzeit zur Verfügung steht. Das sogenannte Multi-Barrieren-System, bestehend aus mehreren Reinigungsstufen, sorgt für eine hohe Sicherheit in der Trinkwasseraufbereitung.
Das frische Trinkwasser für rund eine Million Bürgerinnen und Bürger wird in die weit verzweigten Rohrleitungssysteme gepumpt und steht nicht nur in Essen, sondern auch teilweise in Gelsenkirchen, Bochum, Velbert-Langenberg, Hattingen und Herne zur Verfügung.
Beim Trinkwasser zählen Qualität und Quantität gleichermaßen. Wo liegen die besonderen Herausforderungen?
Unter anderem in der Ruhr, denn sie ist unsere Rohwasserressource, deren Schutz eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe ist. Um auf unerwartete Qualitätsveränderungen reagieren zu können, sind in der Anlage mehrere Aufbereitungsstufen hintereinander geschaltet, die jeder Tropfen Ruhrwasser durchfließen muss, um zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser zu werden. Zusätzlich werden rund 28.000 Analysen im Jahr von einem akkreditierten Labor durchgeführt. Die quantitative Herausforderung bewältigen unsere großen Förderpumpen mit einer Leistung von bis zu 4.000 Kubikmeter je Stunde, mit denen wir im vergangenem Jahr über 56 Millionen Kubikmeter bestes Trinkwasser, ausreichend zur Füllung von rund 400 Millionen Badewannen, in die Wohnungen geliefert haben.
"Der Faktor Mensch spielt bei uns eine wesentliche Rolle."
Gregor Langenberg, Werkleiter WGE
Welche Rolle spielt eigentlich der Faktor Mensch bei der Trinkwasseraufbereitung?
Die Anlagen der WGE sind hochtechnisierte und komplexe Systeme, die ständig gewartet und instand gehalten werden müssen. Diese Aufgaben übernehmen bei uns verschiedene Teams, die mit Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachgebiete besetzt sind. Die Anlagen werden mittels moderner Prozessleitsysteme von Mitarbeitenden rund um die Uhr gesteuert, geregelt und überwacht. Daher spielt der Faktor Mensch bei uns eine wesentliche und essenzielle Rolle, auf die wir nicht verzichten können.
Im Tagesgeschäft sind Sie eng mit den Stadtwerken Essen verbunden. Wie läuft das Zusammenspiel?
Das Zusammenspiel läuft reibungslos und kollegial. Dies ist auch unabdingbar, da wir Trinkwasser aus unseren Anlagen ins Rohrnetz der Stadtwerke Essen einspeisen. Für die Verteilung bis zum Endkunden über die weit verzweigte Infrastruktur sind die Stadtwerke Essen dann zuständig. Die Fachkollegen aus den Leitzentralen der WGE und der Stadtwerke stehen im regelmäßigen Austausch, damit die Menge und der Druck überall im Netz stimmen.
Sie tragen große Verantwortung für eine kritische Infrastruktur. Wie geht man damit persönlich um?
In der Tat ist es eine enorme Verantwortung, die gerade in der heutigen weltpolitischen Lage nicht einfacher wird. Es kommen ständig neue Anforderungen durch gesetzliche Auflagen und unkontrollierbare äußere Einflussfaktoren, wie etwa besondere Wetterlagen und Hochwassersereignisse hinzu. Dies erfordert nicht nur eine hohe persönliche, sondern auch eine anlagentechnische Resilienz, um die Trinkwasserproduktion sicher betreiben zu können. Zum Glück haben wir bei der WGE ein super Team, dass diese Herausforderung auch mit Freude und Engagement im 24/7-Betrieb meistert. Darauf kann ich mich verlassen und somit die Verantwortung auch gut tragen.
"Die Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung sind komplexe Systeme."
Gregor Langenberg, Werkleiter WGE