Jobgeflüster: Jurist bei den Stadtwerken und nicht nur fürs Kleingedruckte zuständig
Gesetze auswendig lernen? Braucht er nicht. Viel mit Kolleginnen und Kollegen sprechen? Unbedingt! Dennis Wawerzonnek (32) ist bei den Stadtwerken Essen zuständig für Compliance, also die Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften, sowie für sämtliche Rechtsfragen rund um die Wärmewende.
Seit Januar 2024 sorgt der Projektjurist in der Rechtsabteilung dafür, dass keine Idee scheitert, bevor ihre Umsetzung überhaupt begonnen hat. Ein Gespräch über juristische Präzision, sprudelndes Wasser und die Kunst, komplizierte Dinge verständlich zu machen.
Herr Wawerzonnek, wie erklären Sie Freunden oder der Familie, was Sie bei den Stadtwerken machen, sodass diese es verstehen anstatt nur „Aha, klingt interessant” sagen?
Das wüsste ich auch gerne! Nein, im Ernst: Ich prüfe Verträge, beantworte Fragen dazu, erkläre Gesetze, gebe rechtliche Einschätzungen ab und spreche viel mit Kolleginnen und Kollegen darüber, wie wir verschiedene Produkte der Stadtwerke Essen rechtlich gestalten können.
Was ist aktuell Ihre größte Herausforderung?
Die Rechtslage im Blick zu behalten. Nicht zuletzt der stetige politische Wandel führt dazu, dass gesetzliche Regelungen eine immer kürzere Halbwertszeit haben. Das bedeutet: Gesetze ändern sich so häufig, dass sie schnell wieder überholt sind. Diese Änderungen – zum Beispiel aktuell vom Gebäudeenergiegesetz (GEG) zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) – im Blick zu behalten und auf das Leistungsangebot der Stadtwerke zu übertragen, ist eine der größten Herausforderungen.
Was überrascht die meisten Menschen, wenn Sie von Ihrer Arbeit erzählen?
Wie viel ich mit anderen spreche und wie viel ich dabei über völlig andere Fachbereiche lerne. Als Jurist sitzt man nicht allein im stillen Kämmerlein und liest Paragraphen. Man muss die Fragen der Kolleginnen und Kollegen wirklich verstehen. Das bedeutet: Man muss sich auch in ihre Welt hineinversetzen. Das macht den Job so abwechslungsreich.
Was darf auf Ihrem Schreibtisch nie fehlen?
Hydration, also ausreichend Flüssigkeit für den Körper, ist wichtig! Ich habe daher immer eine Karaffe mit Sprudelwasser dabei – natürlich frisch aus dem Wasserspender der Stadtwerke.
Nutzen Sie Wissen aus Ihrem Beruf auch privat?
Absolut. Bei der Wohnungssuche hat mein Wissen über die Energiebranche eine große Rolle gespielt. Die Frage nach der Heizart und der Energieeffizienz einer Wohnung sehe ich heute mit ganz anderen Augen. Ich kann besser einschätzen, womit man in Zukunft rechnen muss und ob man bei einem bestimmten Objekt lieber weitersuchen sollte.
Was macht die Zusammenarbeit im Team bei den Stadtwerken besonders?
Egal, mit welchem Fachbereich oder welcher Leitungsebene man spricht, man begegnet sich immer auf Augenhöhe. So herrscht immer eine wirklich angenehme Arbeitsatmosphäre.
Was bedeutet es Ihnen persönlich, für die Stadtwerke Essen zu arbeiten?
Ich kann das Leben in der Stadt direkt beeinflussen. Wenn ich durch Essen fahre und Veränderungen im Stadtbild sehe, die durch unsere gemeinsame Arbeit entstanden sind, identifiziere ich mich noch mehr mit dieser Stadt. Das ist ein tolles Gefühl!
Wie tragen Sie konkret dazu bei, dass Essen lebenswerter wird?
Ich gieße die Pläne in Verträge oder prüfe die Rechtslage für neue Ideen, damit das Vorhaben am Ende auch wirklich umgesetzt werden kann. Ohne rechtliche Grundlage bleibt eine gute Idee eben nur eine Idee.
Was glauben die meisten Menschen über Ihren Beruf, das gar nicht stimmt?
Dass man alle Gesetze auswendig kennen müsste. Das ist ein hartnäckiges Klischee. Viel wichtiger ist es, zu wissen, wo man nachschaut und wie man das Gefundene richtig einordnet und anwendet.
Was ist die größte Herausforderung, die kaum jemand auf dem Schirm hat?
Juristische Präzision und Verständlichkeit so zu kombinieren, dass beides gegeben ist. Häufig leidet das eine, wenn man sich zu sehr auf das andere fokussiert. Den richtigen Mittelweg zu finden, das ist die eigentliche tägliche Herausforderung.
Ohne welche Werkzeuge könnten Sie nicht arbeiten?
Wenn ich drei Dinge auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, um dennoch arbeiten zu können: juristische Datenbanken, das Telefon und das Schreibprogramm mit vier Buchstaben.
Welche Eigenschaften sollte man für Ihren Job mitbringen?
Freundlich und kommunikativ sollte man sein. Und man muss in der Lage sein, rechtliche Ausführungen überzeugend zu vermitteln – also nicht nur korrekt, sondern auch verständlich.
Welche Frage wird Ihnen am häufigsten gestellt?
Die eine Frage gibt es eigentlich nicht. Aber fast jede von ihnen beginnt mit: „Eine kurze Frage…" Und noch häufiger lässt sich alles erstmal mit der juristischsten aller Antworten beantworten: „Es kommt darauf an." Diesem Satz folgen dann meistens Anschlussfragen zur genaueren Klärung des Sachverhalts, zu dem die vermeintlich „kurze" Frage gestellt wurde.
Was wären Sie, wenn Sie nicht bei den Stadtwerken arbeiten würden?
Vermutlich sehr traurig. Denn das Unternehmen, aber vor allem meine Kolleginnen und Kollegen sind mir sehr ans Herz gewachsen.
Und jetzt eine wirklich kurze letzte Frage: Wie beschreiben Sie ihren Beruf in drei Worten?
Vielfältig, zukunftsgerichtet, kommunikativ.